Hans-Werner Hunziker
Welche Rolle spielt das Gehör beim Lesen? An der Universität Freiburg im Breisgau hat Professor B.Fischer festgestellt, dass etwa 50% der Legastheniker einen Entwicklungsrückstand der Blicksteuerung und ca. 45% Entwicklungsrückstände bezüglich Hörwahrnehmung haben.*) Untersuchungen mit dem CD-ROM- Lernprogramm Adlerauge haben ergeben, dass die Versuchspersonen unterschiedliche Strategien anwenden, um die Aufgaben bei den 30 Spielen zu lösen: Dabei sind neben rein visuellen Kodierungen ("ich wähle einfach die Zeichengruppe, die gleich aussieht" sprachlich/auditive (oft halblaut gesprochene) Merkweisen zu beobachten. Das untenstehende Beispiel ist typisch für die Aufgabe, eine bestimmte sinnlose Buchstabenreihe zu suchen, die einem vorgegebenen Muster entspricht. Das Beispiel gilt für eine Person, die bereits die Aussprache einzelner Buchstaben kennt, also etwa für einen Zweitklässler oder für einen Erwachsenen. Zudem wird die Fähigkeit, Buchstabengruppen als ganze Wörter zu erkennen, in diesem Beispiel nicht berücksichtigt. Eine Buchstabenkette die man sucht, wird z.B. halblaut ausgesprochen und zwar entweder als Folge einzelner Buchstaben oder als Wort. Ein Fehler kann dabei sowohl beim Lesen der Zeichen, als auch beim Suchen der gleichen Zeichenfolge auftreten. Der Vorgang beim Lesen ist zunächst visuell, dann auditiv und zuletzt strategisch: 1. Richtiges Erkennen der Form jedes Zeichens (=visuell) 2. Richtiges Zuordnen des Lautes zur Form für jedes Zeichen (= auditiv) 3. Bilden einer Strategie zum Verringern der Gedächtnislast ( Das auditive Arbeitsgedächtnis** hat eine Verfallzeit von ca. 1.5 Sekunden!) Dies kann z.B. sein: Rhythmisierung der Reihenfolge oder visuelle Konzentration auf die wesentlichen Elemente. Der Vorgang bei der Wiedergabe des akustisch gespeicherten Inhalts ist dreifach - zuerst auditiv, dann verarbeitend (je nach Strategie) und zuletzt visuell. 1. Richtiges sprachliches Wiedergeben aus dem auditiven Arbeitsgedächtnis: Reihenfolge nicht verwechseln 2. Bilden eines visuellen Signalements aus den gespeicherten auditiven Inhalten. 3. Suchen der Auswahlantwort, welche dem Signalement entspricht. Diese komplexe Leistung ist die wesentliche Voraussetzung für die Kulturfertigkeit "Lesen". Wird sie erfolgreich erbracht, kann davon ausgegangen werden, dass Lesen und Rechtschreibung kein Problem darstellen. Legastheniker sind nun Personen, die in einer oder mehrerer der 6 Lese- und Wiedergabefunktionen Schwierigkeiten zeigen. Wahrnehmungsmässige Schwächen können durch kreative Strategien kompensiert werden. Dies würde erklären, weshalb es unter berühmten Wissenschaftern Legastheniker gibt. Es braucht jedoch nicht befürchtet zu werden, dass durch das Training visueller und auditiver Wahrnehmung die Kreativität leiden muss. Ganz im Gegenteil. Durch Wahrnehmungsspiele wird ein Anreiz gegeben, wie die Aufgaben mit geringerem wahrnehmungsmässigem Aufwand zu lösen sind. Neue Strategien werden entwickelt. Liegen nun aber die Schwierigkeiten vor allem im auditiven Bereich des Arbeitsgedächtnisses, kann es sein, dass der Lernende dies durch visuelle Strategien kompensiert und daher seinen schwachen Bereich gar nicht weiter entwickelt. Das CD-ROM Lernprogramm Supereule zielt daher auf die Diagnose und das Training der auditiven Fertigkeiten, die beim Lesen eine grosse Rolle spielen, in der Schule jedoch gewöhnlich nicht systematisch geübt werden. Neben der Unterscheidung von Tonhöhen und der Klangfarbe spielen dabei die Fähigkeit des Rhythmisierens und des richtigen Wahrnehmens von Silben-Reihenfolgen und nichtsprachlichen Tonsequenzen eine grosse Rolle. Um die Funktion des Worterkennens auszuschliessen, werden übrigens bei den sprachlichen Spielen Sätze aus relativ unbekannten Sprachen wie Chinesisch, Arabisch, Koreanisch und Finnisch eingesetzt. Hier sind fehlende oder vertauschte Silben zu entdecken. Ein Ausweichen auf visuelle Strategien ist hier nicht möglich, sodass die auditive Seite des Arbeitsgedächtnisses trainiert wird. Im Lernprogramm Supereule kommen folgende Spiele vor: 1. Vibraphon 3-4*** 2. Glocken 3-4 3. Drums: Becken 3-4 4. Bouzouki 3-4 5. Trommeln 4-5 6. Vibraphon 4-5 7. Vögel 4-5 8. Gitarre 5-6 9. Segelschiff 4-5 synth. 10. Kugeln 4-5 11. Xylophon 4 2er-3er 12. Glocken 4 3er-4er 13. Schlagzeug 4 4er-5er 14. Gitarre 4 4er-5er 15. Blasinstrumente 4-6 16. Arabisch 3-4 6er 17. Finnisch 4-5 6er 18. Koreanisch 4-6 14er 19. Schlagzeug 5-6 mix 20. Chinesisch 5-6 8er 21. Chin. Namen. 6-7 22. Anlasser 4-6 23. Wasser 5-6 24. Vögel 6-8 25. Wellen 5-7 synth. 26. Signale 4-6 synth. 27. Vokale 4-6 3er 28. Pferde (stereo) 4-6 29. Vokale 6-8 8er 30. Schlagzeug 7-9 *** Legende: 3-4 3 verschiedene Töne in Einstellung "normal", 4 verschiedene Töne in Einstellung "schwierig" 4 4er-5er 4 verschiedene Sequenzen mit 4 Elementen (Töne, Silben) in Einstellung "normal", 4 verschiedene Sequenzen mit 5 Elementen in Einstellung "schwierig" 4-5 6er 4 verschiedene Sequenzen mit 6 Elementen in Einstellung "normal", 5 verschiedene Sequenzen mit 6 Elementen in Einstellung "schwierig" stereo Es muss unterschieden werden, ob sich das Geräusch von rechts nach links oder von links nach rechts bewegt. synth. Durch Filter synthetisch verändert: Timbre und Intonation *Universität Freiburg - Prof. Dr. B. Fischer, AG Hirnforschung D-79104 Freiburg, Blicklabor/ ** Zum Thema Arbeitsgedächtnis /Kurzzeitgedächtnis siehe Klein, K.-M. (1995)


Informationen zu SUPEREULE


HUNZIKER MULTIMEDIA DEUTSCH

HUNZIKER MULTIMEDIA HOME