Hans-Werner Hunziker
Welche Rolle spielt das Gehör beim Lesen? Untersuchungen mit dem CD-ROM- Lernprogramm Adlerauge haben ergeben, dass die
Versuchspersonen unterschiedliche Strategien anwenden, um die Aufgaben bei den 30
Spielen zu lösen: Dabei sind neben rein visuellen Kodierungen ("ich wähle einfach die
Zeichengruppe, die gleich aussieht" sprachlich/auditive (oft halblaut gesprochene)
Merkweisen zu beobachten.

Das untenstehende Beispiel ist typisch für die Aufgabe, eine bestimmte sinnlose
Buchstabenreihe zu suchen, die einem vorgegebenen Muster entspricht.
Das Beispiel gilt für eine Person, die bereits die Aussprache einzelner Buchstaben kennt, also
etwa für einen Zweitklässler oder für einen Erwachsenen.
Zudem wird die Fähigkeit, Buchstabengruppen als ganze Wörter zu erkennen, in diesem
Beispiel nicht berücksichtigt.

Eine Buchstabenkette die man sucht, wird z.B. halblaut ausgesprochen und zwar entweder als
Folge einzelner Buchstaben oder als Wort.

Ein Fehler kann dabei sowohl beim Lesen der Zeichen, als auch beim Suchen der gleichen
Zeichenfolge auftreten.

Der Vorgang beim Lesen ist zunächst visuell, dann auditiv und zuletzt strategisch:

1. Richtiges Erkennen der Form jedes Zeichens (=visuell)
2. Richtiges Zuordnen des Lautes zur Form für jedes Zeichen (= auditiv)
3. Bilden einer Strategie zum Verringern der Gedächtnislast ( Das auditive
Arbeitsgedächtnis** hat eine Verfallzeit von ca. 1.5 Sekunden!)
Dies kann z.B. sein: Rhythmisierung der Reihenfolge oder visuelle Konzentration auf die
wesentlichen Elemente.

Der Vorgang bei der Wiedergabe des akustisch gespeicherten Inhalts ist dreifach - zuerst
auditiv, dann verarbeitend (je nach Strategie) und zuletzt visuell.
1. Richtiges sprachliches Wiedergeben aus dem auditiven Arbeitsgedächtnis: Reihenfolge
nicht verwechseln
2. Bilden eines visuellen Signalements aus den gespeicherten auditiven Inhalten.
3. Suchen der Auswahlantwort, welche dem Signalement entspricht.

Diese komplexe Leistung ist die wesentliche Voraussetzung für die Kulturfertigkeit "Lesen".
Wird sie erfolgreich erbracht, kann davon ausgegangen werden, dass Lesen und
Rechtschreibung kein Problem darstellen.
Legastheniker sind nun Personen, die in einer oder mehrerer der 6 Lese- und
Wiedergabefunktionen Schwierigkeiten zeigen.
Wahrnehmungsmässige Schwächen können durch kreative Strategien kompensiert werden.
Dies würde erklären, weshalb es unter berühmten Wissenschaftern Legastheniker gibt.
Es braucht jedoch nicht befürchtet zu werden, dass durch das Training visueller und auditiver
Wahrnehmung die Kreativität leiden muss. Ganz im Gegenteil. Durch Wahrnehmungsspiele
wird ein Anreiz gegeben, wie die Aufgaben mit geringerem wahrnehmungsmässigem
Aufwand zu lösen sind. Neue Strategien werden entwickelt.

Liegen nun aber die Schwierigkeiten vor allem im auditiven Bereich des
Arbeitsgedächtnisses, kann es sein, dass der Lernende dies durch visuelle Strategien
kompensiert und daher seinen schwachen Bereich gar nicht weiter entwickelt.

Das CD-ROM Lernprogramm Supereule zielt daher auf die Diagnose und das Training der
auditiven Fertigkeiten, die beim Lesen eine grosse Rolle spielen, in der Schule jedoch
gewöhnlich nicht systematisch geübt werden.
Neben der Unterscheidung von Tonhöhen und der Klangfarbe spielen dabei die Fähigkeit des
Rhythmisierens und des richtigen Wahrnehmens von Silben-Reihenfolgen und
nichtsprachlichen Tonsequenzen eine grosse Rolle.
Um die Funktion des Worterkennens auszuschliessen, werden übrigens bei den sprachlichen
Spielen Sätze aus relativ unbekannten Sprachen wie Chinesisch, Arabisch, Koreanisch und
Finnisch eingesetzt. Hier sind fehlende oder vertauschte Silben zu entdecken.
Ein Ausweichen auf visuelle Strategien ist hier nicht möglich, sodass die auditive Seite des
Arbeitsgedächtnisses trainiert wird.

Im Lernprogramm Supereule kommen folgende Spiele vor:

1. Vibraphon 3-4***
2. Glocken 3-4
3. Drums: Becken 3-4
4. Bouzouki 3-4
5. Trommeln 4-5
6. Vibraphon 4-5
7. Vögel 4-5
8. Gitarre 5-6
9. Segelschiff 4-5 synth.
10. Kugeln 4-5
11. Xylophon 4 2er-3er
12. Glocken 4 3er-4er
13. Schlagzeug 4 4er-5er
14. Gitarre 4 4er-5er
15. Blasinstrumente 4-6
16. Arabisch 3-4 6er
17. Finnisch 4-5 6er
18. Koreanisch 4-6 14er
19. Schlagzeug 5-6 mix
20. Chinesisch 5-6 8er
21. Chin. Namen. 6-7
22. Anlasser 4-6
23. Wasser 5-6
24. Vögel 6-8
25. Wellen 5-7 synth.
26. Signale 4-6 synth.
27. Vokale 4-6 3er
28. Pferde (stereo) 4-6
29. Vokale 6-8 8er
30. Schlagzeug 7-9


*** Legende:
3-4 3 verschiedene Töne in Einstellung "normal", 4 verschiedene Töne in Einstellung "schwierig"
4 4er-5er 4 verschiedene Sequenzen mit 4 Elementen (Töne, Silben) in Einstellung "normal", 4
verschiedene Sequenzen mit 5 Elementen in Einstellung "schwierig"
4-5 6er 4 verschiedene Sequenzen mit 6 Elementen in Einstellung "normal", 5 verschiedene Sequenzen
mit 6 Elementen in Einstellung "schwierig"
stereo Es muss unterschieden werden, ob sich das Geräusch von rechts nach links oder von links nach
rechts bewegt.
synth. Durch Filter synthetisch verändert: Timbre und Intonation



** Zum Thema Arbeitsgedächtnis nach Baddeley







Informationen zu SUPEREULE


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