Hans-Werner Hunziker

CI-Therapie für Wahrnehmungsschwierigkeiten

Das Prinzip der CI (Constraint Induced) Therapy nach Taub ist folgendes:

Wenn eine Aufgabe auf mehrere Arten gelöst werden kann, tendiert der Mensch dazu, sie auf die für ihn leichteste Art zu lösen.

Eine Person, die einen Schlaganfall erlitten hat und auf einem Arm beinahe gelähmt ist, wird daher für alle Tätigkeiten den "besseren Arm" verwenden und möglichst ohne den schwachen Arm auskommen. Zusätzlich zu der Beeinträchtigung durch den Schlaganfall wird auf diese Weise der schwächere Arm durch "erlernten Nichtgebrauch" (learned nonuse) noch weiter geschwächt - genau das Gegenteil des erwünschten Lernprozesses.
Hier setzt die CI Therapie ein.
"Constraint Induzierte" (wörtlich: durch Einschränkung angeregte) Therapie bedeutet, dass man den "guten" Arm für zwei bis dre Wochen mit einer Armschlinge fixiert. So wird der Patient gezwungen, seinen schwachen Arm zu gebrauchen. Dadurch wird der "erlernte Nichtgebrauch" kompensiert und der schwache Arm wird automatisch trainiert.
Forschungsergebnisse beweisen, dass 50-75% aller Schlaganfall-Patienten auf diese Weise eindeutige Verbesserungen zeigen.

CI - Therapie bedeutet, dass man es dem Patienten nicht leicht, sondern auf gezielte Weise schwer macht. Nur so werden die richtigen Gehirnbereiche trainiert.

Was bedeutet dies für die Therapie von Lernstörungen resp. Teilleistungsschwächen, wie z.B. Legasthenie oder Dyskalkulie?
Blosse Intensivierung der Uebung hilft wenig: es ist notwendig, die Schwächen zu trainieren. Dazu muss man zuerst herausfinden, welche Teilleistungen innerhalb der visuellen resp. auditiven Wahrnehmung unterentwickelt sind.
Den schwachen Teilleistungen können unterentwickelte Gehirnbereiche entsprechen. Aufgaben, welche ein Ausweichen auf andere Teilleistungen ermöglichen, trainieren "den falschen Arm".
Ein sogenannter Legastheniker hat vielleicht einen starken und einen schwachen Arm - z.B. hat er keine Mühe die Gesamtform eines Wortes zu erkennen, kann jedoch die einzelnen Buchstaben nicht gut ausmachen(oder umgekehrt).

Wie kann man das Gehirn trainieren? Wie kann man sozusagen den starken Arm in eine Armschlinge legen?

Stärken und Schwächen herausfinden:
Aus einer Serie von Wahrnehmungsaufgaben (die so konstruiert sind, dass sie besondere Teilleistungen verlangen)muss man die Schwierigsten herausfinden und dann sein Training auf die schwierigen Aufgaben konzentrieren.

Die CD-ROMs ADLERAUGE (visuelle Wahrnehmung) und SUPEREULE (auditive Wahrnehmung) enthalten je 30 Spielaufgaben (in jeweils 2 Schwierigkeitsstufen), welche besonders entwickelt wurden, um die Schwächen und Stärken in einzelnen Teilleistungen der Wahrnehmung zu testen und den "schwachen Arm" zu fördern.
Einzelheiten über diese CD-ROMs finden Sie bei HUNZIKER MULTIMEDIA


Literaturangaben:

Liepert, J., Miltner, W., Bauder, H., Sommer, M., Dettmers, C. & Taub, E. (1998). Motor cortex plasticity during Constraint-Induced Movement Therapy in stroke patients. Neuroscience Letters, 250, 5-8.
Miltner, W.H.R., Bauder, H., Sommer, M., Dettmers, C. &Taub, E. (1999). Effects of Constraint-Induced Movement Therapy on patients with chronic motor deficits after stroke: a replication. Stroke, 30, 586-592.
Taub, E. (1977). Movement in nonhuman primates deprived of somatosensory feedback. Exercise and Sports sciences Review, 4, 335-374.
Taub, E. (1980). Somatosensory deafferentation research with monkeys Implications for rehabilitation medicine. In L.P. Ince (Ed.), Behavioral psychology in rehabilitation medicine: Clinical applications, (pp. 371-401). New York: Williams & Wilkins
Taub, E., Crago, J. E. & Uswatte, G. (1998). Constraint-Indiuced Movement Therapy: a new approach to treatment in physical rehabilitation. Rehabil Psychol., 43, 152-170.
Taub, E., Pidikiti, R.D., DeLuca, S.C. & Crago, J.E. (1996). Effects of motor restriction of an unimpaired upper extremity and training on improving functional tasks and altering brain behaviors. InJ.F. Toole & D.C. Good (Eds.), Imaging in Neurologic Rehabilitation, (pp. 133-154). New York: Demos Vermande.
Taub, E., Miller, N.E., Novack, T.A., Cook, E.W., Fleming, W.D., Nepomuceno, C.S., Connell, J.S., & Crago, J.E. (1993). Technique to improve chronic motor deficit after stroke. Archives of Physical Medicine ad Rehabilitation, 74, 347-354.
Duncan, P. W. (1997). Synthesis of intervention trials to improve motor recovery following stroke. Topics in Stroke Rehabilitation, 3(1), 1-20.

--> HUNZIKER MULTIMEDIA


HUNZIKER MULTIMEDIA HOME